Reife rote Trauben an einer Rebe kurz vor der Lese

Die Provinz

Wein am Kap

Seit 1659 wird hier gekeltert, und trotzdem ist der bekannteste Wein dieser Küste eine Rebsorte, die es erst seit hundert Jahren gibt. Was du wo probierst, und wie so ein Nachmittag abläuft.

Foto: carollux, 123RF

Ein Kellermeister zieht mit dem Heber aus dem Fass, hält das Glas gegen das Licht und sagt nichts. Draußen stehen die Reihen bis an den Hang, dahinter grauer Fels. Es ist halb elf und schon warm.

Vom Versorgungsposten zum Weinland

Am 2. Februar 1659 notierte der Kommandeur der Versorgungsstation am Kap, dass zum ersten Mal Wein aus Kaptrauben gepresst worden sei. Sieben Jahre nach der Gründung der Station. Damit gehört das Western Cape zu den ältesten Weinbaugebieten außerhalb Europas.

Der Ruhm kam ein Jahrhundert später aus Constantia, heute ein Stadtteil von Kapstadt. Der dort gekelterte Süßwein wurde im 18. und frühen 19. Jahrhundert an europäischen Höfen getrunken und taucht in der Literatur der Zeit auf. Dass Napoleon ihn sich nach St. Helena bringen ließ, wird oft erzählt und gehört zu den Geschichten, die sich schwer belegen und noch schwerer widerlegen lassen. Sicher ist, dass die Reblaus und zwei Weltkriege den Ruf zerstörten und ein Nachfolgewein den Namen erst in den 1980er Jahren wiederbelebte.

Zwischen 1918 und den 1990er Jahren bestimmte eine Erzeugergenossenschaft, wie viel gepflanzt und was gezahlt wurde. Das sicherte den Bauern das Auskommen und kostete die Weine ihre Eigenart. Erst nach dem Ende der Apartheid, mit dem Ende der Handelsbeschränkungen und dem Wegfall der Mengensteuerung, begann das, was heute im Glas steht.

Die Sorten, die du kennen solltest

Wo was wächst

Seit 1973 regelt ein Herkunftssystem, was auf dem Etikett stehen darf. Für dich sind vor allem sechs Gegenden interessant, und sie unterscheiden sich weniger im Wein als im Erlebnis.

Constantia
in Kapstadtdie ältesten Weinberge, 20 Minuten vom Zentrum
Stellenbosch
über 100 Güterdie größte Dichte, seit 1971 als Route
Franschhoek
ein Talkurze Wege, Straßenbahn zwischen den Gütern
Swartland
alte Stöckekleine Betriebe, wenig Betrieb, eigenwillige Weine
Robertson
am Breedegünstiger, ruhiger, oft ohne Anmeldung
Hemel-en-Aarde
hinter Hermanuskühl, Pinot Noir und Chardonnay

Wie eine Verkostung abläuft

Du kommst an, gehst in den Verkostungsraum, nennst deinen Namen und bekommst eine Karte mit mehreren Reihen: drei Weine, fünf Weine, die Reserveweine, manchmal etwas mit Käse oder Schokolade dazu. Du zahlst pro Reihe, nicht pro Glas. Auf vielen Gütern wird die Gebühr verrechnet, wenn du danach eine Flasche kaufst, und danach fragt man am besten gleich am Anfang.

Ausgeschenkt wird von jemandem, der über den Wein sprechen kann, und der Ton ist entspannter als in Europa. Ausspucken ist üblich und wird niemandem übel genommen, dafür stehen Gefäße bereit. Zwei Güter an einem Tag sind angenehm, drei gehen, beim vierten schmeckst du nichts mehr.

AchtungBestimm vorher, wer fährt, oder nimm eine Tour. Auf den Straßen zwischen den Gütern wird kontrolliert, und die Grenze liegt in Südafrika niedriger als in Deutschland. In Franschhoek löst die Weinstraßenbahn das Problem elegant.

Was du auf keiner großen Route findest

Seit gut fünfzehn Jahren gibt es eine Bewegung kleiner Betriebe, die alte, ungepfropfte Stöcke suchen und daraus Weine machen, die mit dem internationalen Stil der 1990er nichts zu tun haben. Ihr Zentrum ist das Swartland nördlich von Kapstadt, um Riebeek-Kasteel und Malmesbury. Ein Siegel weist inzwischen Weine aus Stöcken aus, die älter als fünfunddreißig Jahre sind.

Diese Betriebe haben oft keinen eigenen Verkostungsraum, sondern schenken in einer Halle aus, und manche öffnen nur nach Absprache. Dafür sprichst du mit der Person, die den Wein gemacht hat. Wenn du an einem Tag in den Winelands genug von Reisebussen hast, fahr am nächsten dorthin.

Wein: häufige Fragen

Seit wann wird am Kap Wein angebaut?

Der erste Wein am Kap wurde am 2. Februar 1659 gekeltert, sieben Jahre nach der Gründung der Versorgungsstation Kapstadt. Damit gehört das Western Cape zu den ältesten Weinbaugebieten außerhalb Europas.

Was ist Pinotage?

Pinotage ist eine Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsaut, die 1925 an der Universität Stellenbosch gezüchtet wurde und als eigenständige südafrikanische Rebsorte gilt. Der Stil reicht von rauchig und kräftig bis zu leichteren, fruchtbetonten Weinen, weshalb ein einzelner Pinotage wenig über die Sorte aussagt.

Was kostet eine Weinprobe im Western Cape?

Die Spanne ist groß. Kleine Güter in Robertson oder Tulbagh verlangen für eine Probe von fünf Weinen wenig, große Namen in Stellenbosch und Franschhoek ein Vielfaches davon, teils mit Essensbegleitung. Auf vielen Gütern wird die Gebühr beim Kauf einer Flasche verrechnet, frag danach.

Kann man Wein aus Südafrika nach Deutschland mitnehmen?

Ja, im Reisegepäck gelten die Freimengen für die Einfuhr aus Drittstaaten. Viele Güter versenden außerdem nach Europa, was sich erst ab einer größeren Bestellung lohnt. Prüf vor dem Kauf, wie die Flaschen im Koffer gesichert werden, Weinversandkartons gibt es in jedem größeren Ort.

Welche Weinregion eignet sich für einen Tagesausflug ab Kapstadt?

Stellenbosch und Franschhoek liegen beide unter einer Stunde von Kapstadt entfernt und haben die dichteste Folge an Gütern. Constantia im Süden der Stadt ist sogar in zwanzig Minuten erreichbar und trägt die ältesten Weinberge des Landes.